

In Aachen knallt er eine Domtür zu, in München hinterlässt er einen Fußabdruck, in Regensburg schleppt er Steine für eine Brücke. Der Teufel kommt in deutschen Sagen erstaunlich oft vor. Und meistens zieht er dabei den Kürzeren.
Wissen · Figurenerschienen am 15. Oktober 2026
Der Teufel taucht in deutschen Sagen sehr oft auf. Allein im ersten Band der „Deutschen Sagen“ der Brüder Grimm von 1816 tragen 22 Geschichten den Teufel schon im Titel.1 Meist tritt er als Baumeister auf, der in einer Nacht eine Brücke, eine Kirche oder eine Mauer errichtet und dafür eine Seele verlangt. Oder er hinterlässt Spuren im Stein. Oft wird er dabei überlistet. Der Volkskundler Karl Wehrhan beschrieb solche Teufelssagen 1908 so: Der Teufel kommt immer zu spät, etwa erst nach dem ersten Hahnenschrei, oder wer zuerst über die Brücke geht, ist gar kein Mensch.2
Das Wort stammt aus dem Griechischen. Diábolos bedeutete eigentlich „Verleumder“. Über das kirchenlateinische diabolus kam es ins Deutsche, im Althochdeutschen heißt es schon im 8. Jahrhundert tiufal.3 Der Duden nennt den Teufel den Widersacher Gottes, die Gestalt, die das Böse verkörpert.4
Dazu kommen Hüllwörter wie „Deixel“ oder „Deibel“.3 In alten Sagen heißt er oft auch einfach „der böse Feind“.5
Der Teufel verkleidet sich gern. Wehrhan nennt Gestalten wie einen Pilger, einen großen Mann im dunklen Mantel oder einen Freier im hellgrünen Rock. Versteckt trägt er aber ein Erkennungszeichen: einen Bocks- oder Pferdefuß oder eine Hahnenfeder am Hut.6
Er erklärt, was ungewöhnlich groß ist. Friedrich Gottschalck schrieb 1814 über die römische Grenzbefestigung in Süddeutschland, die Pfahlhecke: Die Leute hätten Menschen so ein riesiges Werk nicht zugetraut und es deshalb dem Teufel zugeschrieben.7 Die Bauern dort erzählten, der Teufel habe so viel Land bekommen sollen, wie er vor dem Hahnenschrei ummauern könne. Doch der Hahn krähte, bevor der Schlussstein saß.8
Er hat den Platz der Riesen übernommen. Die Grimms schrieben 1816, in den „so häufigen“ Sagen von Teufelsbauten müsse man nur das Wort Teufel gegen Riese tauschen.9 Wehrhan sah es 1908 genauso: Die christliche Zeit habe aus den Riesen, die der Sage nach etwa die Brücken in Regensburg und Frankfurt gebaut hatten, oft Teufel gemacht.10
Er spiegelt unruhige Zeiten. Wehrhan verweist auf den Sagenforscher Meiche, der in Teufels- und Gespenstersagen Nachklänge der religiösen Erregungen des 16. und 17. Jahrhunderts sah.2
Viele Bausagen folgen einem Muster. Jemand kommt mit einem Bau nicht voran. Der Teufel hilft und will dafür die erste Seele, die das fertige Werk betritt. Am Ende schickt man ein Tier vor. Kurz erzählen es die Grimms in ihrer Sage von der Teufelsbrücke über die Reuß in der Schweiz: Ein Hirte wünscht sich eine Brücke, der Teufel baut sie, doch zuerst läuft eine Gämse hinüber.11
In Frankfurt erzählte man den Grimms von der Sachsenhäuser Brücke. Der Baumeister merkte kurz vor dem vereinbarten Termin, dass er nicht fertig würde, und rief den Teufel. Der baute sie in einer Nacht und verlangte dafür das erste Lebewesen, das hinüberging. Am Morgen trieb der Baumeister einen Hahn hinüber. Der Teufel hatte auf einen Menschen gehofft und warf den Hahn vor Wut durch die Brücke. So entstanden zwei Löcher, die sich nie mehr zumauern ließen. Ein goldener Hahn stand 1816 als Wahrzeichen darauf.12
In Regensburg, so Bechstein 1853, wetteten der Baumeister der Brücke und der des Doms, wer zuerst fertig werde. Der Brückenbaumeister schloss einen Bund mit dem Teufel und versprach ihm die ersten drei Seelen, die über die Brücke gingen. Der Teufel schleppte Steine herbei, und die Brücke war schnell fertig. Als Erste schickte der Baumeister aber einen Hund, einen Hahn und eine Henne hinüber.13
Die Stadt Regensburg stellt klar, dass die Sage nicht zur Geschichte passt: Die Brücke wurde von 1135 bis 1146 gebaut, mit dem Dom begann man erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.14
Im Aachener Dom, so die Grimms 1816, zeigte man einen Spalt in der bronzenen Kirchentür und dazu einen Wolf und einen Tannenzapfen aus Erz. Die Sage dazu: Beim Bau ging das Geld aus. Der Teufel bot den Ratsherren Geld an, wenn ihm die erste Seele gehöre, die bei der Einweihung die Kirche betrete. Der Rat nahm an, doch das Geheimnis sprach sich herum, und niemand wollte als Erster hinein. Da fing man einen Wolf und ließ ihn beim Glockenläuten in die Kirche laufen. Der Teufel merkte zu spät, dass er nur eine Wolfsseele bekommen hatte, und warf die Tür so heftig zu, dass ein Flügel sprang. Zum Andenken goss man den Wolf und seine Seele in Erz. Die Seele soll aussehen wie ein Tannenzapfen.15
Die Bronzetüren am Haupteingang heißen Wolfstür.16 Der Dom entstand zwischen 793 und 813 als Palastkapelle Karls des Großen und kam 1978 als erste Kulturstätte Deutschlands auf die Welterbeliste der UNESCO.17 Am Eingang sind ein Wolf und ein Pinienzapfen aus Bronze zu sehen, die früher einen Brunnen vor dem Dom schmückten.18
Bei Thale im Harz zieht sich ein langer Felsgrat durchs Land, die Teufelsmauer. Johann Karl Christoph Nachtigal schrieb unter dem Namen Otmar im Jahr 1800 die Sage dazu auf:19 Der Teufel stritt mit Gott um die Herrschaft über die Erde. Sie teilten das Land, und der Teufel baute unter lautem Jubeltanz eine Grenzmauer. Bald war ihm sein Teil zu klein. Er bekam noch das Tal dazu und türmte eine zweite Mauer auf. Die Grimms übernahmen die Sage 1816, samt dem Felsen, auf dem er getanzt haben soll: des Teufels Tanzplatz.20
Die Teufelsmauer besteht aus verkieseltem Sandstein aus der Oberkreide. Wegen der Steinbrüche wurde sie schon 1833 per Verordnung geschützt, seit 1935 ist sie Naturschutzgebiet.21
In der Münchner Frauenkirche kannst du den Teufelstritt selbst ansehen, einen Fußabdruck im Boden nahe dem Eingang. Die Kirche war 1488 nach nur zwanzig Jahren Bauzeit fertig.22 Ludwig Bechstein erzählte 1853, wie der Abdruck dorthin kam: Der Teufel ärgerte sich über die neue Kirche und ging hinein. Er blieb an einer Stelle stehen, von der aus er kein einziges Fenster sah. Zufrieden drehte er um und brannte zur Erinnerung seinen Fußabdruck in den Boden. Dabei hatte die Kirche, so Bechstein, dreißig hohe Fenster. Trocken setzt er hinzu: „Hatte sich aber stark geirrt, der dumme Teufel.“23
Heute erzählt man auch, der Teufel habe die versteckten Fenster entdeckt und versucht, die Kirche als Sturm umzuwerfen. Den Wind soll man in den Straßen rundherum bis heute spüren.22
In Köln lag nach den Grimms bei einer Kirche ein schwerer Stein, der Teufelsstein. Darauf sah man noch „die Kralle des bösen Feindes“ eingedrückt. Der Teufel habe den Stein nach der Kapelle der Heiligen Drei Könige geworfen, um sie zu zerschmettern. Getroffen hat er nicht.5
In vielen dieser Sagen ist eine Seele der Preis für die Hilfe des Teufels. Daran denkt man auch bei Doktor Faust. Ihn gab es wirklich. Er lebte etwa von 1480 bis 1540/41, doch die Zeugnisse über sein Leben sind dürftig. Zu seinem Ruf als Zauberer kam durch Martin Luther der Vorwurf, mit dem Teufel im Bund zu stehen. 1587 erschien das erste Volksbuch über ihn.24 Johann Georg Theodor Grässe schrieb 1874 auf, was man in Leipzig erzählte: Faust kam in Auerbachs Keller, feierte dort mit Studenten und ritt am Ende auf einem Weinfass die Kellertreppe hinauf. Ein altes Bild im Keller zeigte den Ritt, darüber stand der Vers: „1525. Doctor Faustus Zu Dieser Frist / Aus Auerbachs Keller Geritten ist / Auf Einem Faß Mit Wein Geschwint“.25
Bei Goethe spielt 1808 eine Szene des „Faust“ in Auerbachs Keller. Dort bohrt der Teufel Mephistopheles Löcher in den Tischrand und lässt jeden Gast den Wein trinken, den er sich wünscht. Bevor er mit Faust verschwindet, ruft er: „Und merkt euch, wie der Teufel spaße.“ Einer der Zecher will ihn danach auf einem Fass zur Kellertür hinausreiten gesehen haben.26
Der Teufel ist stark und kann zaubern, verliert aber meistens: Er kommt zu spät, oder er bekommt statt eines Menschen nur einen Hahn, einen Hund oder einen Wolf.2 Manche Sammler nennen ihn offen dumm. Bei Bechstein in München ist er „der dumme Teufel“,23 und auch Alexander Schöppners Regensburger Gedicht von 1852 endet damit, wie sehr „der dumme Teufel“ den Brückenbau bereute.27
Besonders hübsch zeigt das eine Sage aus Jüterbog, die Adalbert Kuhn 1843 aufschrieb. Ein Schmied hat schon den Tod zweimal überlistet. Der Teufel lacht den Tod aus, weil er so dumm gewesen sei, und will es selbst besser machen. Nachts schlüpft er durchs Schlüsselloch ins Haus. Doch der Schmied ist klüger, hält innen seinen Kohlensack davor und bindet ihn zu. Dann lässt er seine Gesellen auf dem Amboss auf den Sack hämmern, bis ihnen die Arme müde werden.28
Gewinnen tun in diesen Geschichten nicht die Stärksten, sondern die Klugen: ein Baumeister mit einem Hahn, ein Stadtrat mit einem Wolf, ein Schmied mit einem Sack. Wehrhan schrieb, die meisten Sagen hätten einen Zug, der heiter stimmt, und zählte viele Teufelssagen ausdrücklich dazu.2 Der Teufel mag mächtig sein, das letzte Wort hat in diesen Sagen der Mensch.
KI-Hinweis: Das Titelbild ist KI-gestützt. Dieser Text entstand mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen und wurde redaktionell geprüft.