

Hameln, 1284: Ein Fremder befreit die Stadt von einer Rattenplage. Doch Hameln bricht sein Wort, und am 26. Juni kehrt er zurück. Diesmal folgen ihm nicht die Ratten.
Station I · Sage aus HamelnFilm 3:17 minerschienen am 14. Oktober 2026
Film ansehenHameln an der Weser, im Jahr 1284. Erst sind es einzelne Ratten, dann immer mehr. Sie kommen aus den Kellern, laufen durch die Gassen und fressen die Vorräte der Stadt auf. Die Bürger versuchen es mit Fallen, mit Gift und mit Gebeten. Nichts hilft.
Da taucht ein Fremder auf. Er trägt einen Rock aus buntem Tuch, und niemand in Hameln kennt ihn. Vor dem Rat verspricht er, die Stadt von den Ratten zu befreien, wenn man ihn dafür bezahlt. Der Rat ist einverstanden.
Der Mann zieht eine Pfeife hervor und spielt. Aus allen Häusern und Winkeln kommen die Ratten und folgen ihm hinunter zur Weser. Er geht ins Wasser, die Tiere hinter ihm her, und sie ertrinken. Hameln ist erlöst. Doch als der Fremde seinen Lohn verlangt, wollen die Bürger nicht mehr zahlen. Sie verspotten ihn und jagen ihn fort.
Am 26. Juni, dem Tag Johannis und Pauli, kehrt er zurück. Die Brüder Grimm erzählen, er sei diesmal als Jäger gekommen, mit schrecklichem Gesicht und einem roten Hut.1 Wieder spielt er, doch jetzt laufen ihm die Kinder nach. Sie folgen ihm durch die Gassen und hinaus vor das Tor. Dort führt er sie in einen Berg und verschwindet mit ihnen.
Hundertdreißig Kinder sollen es gewesen sein.1 Manche erzählen, zwei seien zurückgekehrt, das eine blind, das andere stumm. Ein kleiner Junge habe umgedreht, um seinen Rock zu holen, und sei so verschont geblieben. Andere sagen, die Kinder seien durch eine Höhle gezogen und in Siebenbürgen wieder ans Licht gekommen.1
Was 1284 in Hameln geschehen ist, weiß bis heute niemand sicher.7 Der älteste Bericht über den Auszug der Kinder, den die Stadt Hameln nennt, steht in einer Lüneburger Handschrift, die zwischen 1430 und 1450 entstand.2 Dass es genau 1284 war, ist eine Annahme des späten Mittelalters.2 In der Marktkirche erinnerte ein mittelalterliches Glasfenster an das Ereignis. Es wurde 1660 zerstört und war für die Forschung lange ein wichtiges Zeugnis.3 Die älteste bekannte Abbildung Hamelns ist ein Aquarell aus der Reisechronik des Augustin von Mörsperg, der die Stadt 1592 besuchte. Als Vorlage soll das Glasfenster der Marktkirche gedient haben.4
In den frühen Quellen heißt die Figur einfach „Piper“, also Spielmann. Von einer Rattenplage ist dort noch keine Rede.5 Laut Museum Hameln kamen Rattenplage und Rattenvertreibung erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hinzu.5 Auch die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt, dass der Kinderauszug erst im 16. Jahrhundert mit dem Rattenfänger-Motiv verbunden wurde.6
Die Forschung hat viele Erklärungen vorgeschlagen. Die Stadt Hameln hält die Ostsiedlung für die wahrscheinlichste: Die „Kinder“ wären demnach „Kinder der Stadt“ gewesen, also auswanderungswillige Hamelner Bürger, die für neue Siedlungen im Osten angeworben wurden, etwa in Mähren, Pommern, Ostpreußen oder im Deutschordensland.7 Auch der Namenforscher Jürgen Udolph stützt die Ostsiedlung. Seine Vergleiche von Ortsnamen weisen allerdings eher in die Prignitz, die Uckermark und nach Pommern als nach Mähren.9 Genannt werden außerdem eine Auswanderung, die Pest und ein Kinderkreuzzug.8 Eine weitere Spur führt zur Schlacht bei Sedemünde im Jahr 1260, in der das Hamelner Bürgerheer gegen die Truppen des Bischofs von Minden verlor.2,9
Eine unumstrittene Lösung gibt es nicht.5 Das Museum Hameln hält aber eines fest: Wenn die Sage einen wahren Kern hat, dann ist es der Auszug der Kinder und nicht die Rattenplage.5
Ratsherr Hermann Arendes ließ das Rattenfängerhaus 1602/03 im Stil der Weserrenaissance bauen.3 In einem Balken an der Seite zur Bungelosenstraße steht bis heute die Inschrift, nach der das Haus benannt ist:3,15
„ANNO 1284 AM DAGE JOHANNIS ET PAULI WAR DER 26 JUNII DORCH EINEN PIPER MIT ALLERLEI FARVE BEKLEDET GEWESEN CXXX KINDER VERLEDET BINNEN HAMELEN GEBON TO CALVARIE BI DEN KOPPEN VERLOREN“10
Sinngemäß heißt das: Im Jahr 1284, am Tag Johannis und Pauli, dem 26. Juni, wurden 130 in Hameln geborene Kinder von einem bunt gekleideten Pfeifer verführt und gingen an der Kalvarie bei den Koppen verloren.
In der Bungelosenstraße, durch die die Kinder der Sage nach die Stadt verließen,1 wird zum Gedenken keine Musik gespielt.6 Schon bei den Brüdern Grimm heißt es, selbst Hochzeitsmusikanten hätten dort schweigen müssen.1 „Bungelos“ bedeutet trommellos.11,6
Seit 1956 spielen Hamelner jeden Sommer das Rattenfänger-Freilichtspiel.6 2014 wurde die Auseinandersetzung mit dem Rattenfänger in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.6 Das Museum Hameln besitzt nach eigener Aussage die wohl größte Rattenfänger-Sammlung der Welt.14
Hinfahren
Das Haus steht an der Ecke zur Bungelosenstraße. An dieser Seite trägt es die Inschrift, nach der es benannt ist.3,15 Rund 300 Meter weiter, am Westgiebel des Hochzeitshauses (Blick vom Pferdemarkt), spielen die Rattenfänger-Figuren laut Stadt Hameln täglich um 13.05, 15.35 und 17.35 Uhr.13
Laut Sage am 26. Juni 1284, dem Tag Johannis und Pauli.1
In der Saison 2027 vom 16. Mai bis 19. September, jeden Sonntag um 12 Uhr auf der Terrasse des Hochzeitshauses. Das Spiel dauert etwa 30 Minuten und ist kostenlos.12
KI-Hinweis: Bilder und Erzählstimme wurden mit KI erstellt und von Hand komponiert und bearbeitet. Dieser Text entstand mit KI-Unterstützung aus den genannten Quellen und wurde redaktionell geprüft.